gesetzliche und gewillkürte Erbfolge - ein Überblick

gesetzliche Erbfolge

Die gesetzliche Erbfolge tritt ein, wenn der Erblasser über sein Vermögen nicht durch Erbeinsetzung verfügt hat oder wenn der im Testament bestimmte Erbe nicht Erbe wird, zum Beispiel wenn er die Erbschaft ausschlägt.

Die gesetzliche Erbfolge tritt auch dann ein, wenn der Erblasser durch Testament nur über Teile seines Vermögens verfügt hat, etwa dann, wenn er einen Erben nur auf die Hälfte des Vermögens eingesetzt hat.

Das Erbrecht des BGB sieht ein so genanntes Verwandtenerbrecht für die Hinterbliebenen des Erblassers vor. Grundsätzlich wird danach auf die Blutsverwandtschaft abgestellt - in Ausnahmefällen genügt aber auch eine rechtliche Verwandtschaft, wie z. B. nach einer Adoption. Erbberechtigt sind die Verwandten und der Ehegatte sowie der Fiskus.

Die gesetzlichen Erben erster Ordnung sind die Abkömmlinge des Erblassers. Neben adoptierten Kindern werden seit dem Erbrechtsgleichstellungsgesetz vom 16.12.1997, das zum 1.4.1998 in Kraft getreten ist, auch nichteheliche Kinder als gesetzliche Erben erster Ordnung angesehen.

Ist ein direkter Abkömmling (Kind) des Erblassers bereits vorverstorben und hinterlässt er selbst eigene Abkömmlinge (Enkel), dann treten diese an die Stelle ihrer vorverstorbenen Eltern (Eintrittsrecht).

Hinterlässt ein Abkömmling keine eigenen Abkömmlinge, dann wächst sein Anteil den übrigen Erben an (Anwachsung).

Sind beim Tode des Erblassers keine Abkömmlinge (Kinder, Enkel, Urenkel) vorhanden, dann sind seine Eltern und, wenn diese bereits vorverstorben sind, seine Geschwister zu gesetzlichen Erben berufen (Erben zweiter Ordnung).

Dem Ehegatten des Erblassers steht ein eigenes Erbrecht zu. Die Höhe des Erbrechts richtet sich danach, neben welchen Verwandten (erster Ordnung, zweiter oder dritter Ordnung) der Ehegatte erbt und danach, in welchem Güterstand (zumeist der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft) die Eheleute im Zeitpunkt des Erbfalls gelebt haben.

Der Ehegatte erbt neben Erben erster Ordnung, also neben den Kinder, Enkeln oder Urenkeln des Erblassers, zu 1/4 und neben den Erben zweiter Ordnung, also den Eltern und Geschwistern des Erblassers, zu 1/2.

Waren die Eheleute darüber hinaus im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft (also ohne notariellen Ehevertrag) verheiratet, dann erhöht sich die Erbquote des Längstlebenden jeweils um ein weiteres 1/4, also neben den Erben erster Ordnung auf 1/2 und neben den Erben zweiter Ordnung auf 3/4.

Sind weder Erben erster noch zweiter Ordnung vorhanden, dann wird der Ehegatte Alleinerbe, wenn auch die Großeltern des Erblassers vorverstorben sind.

Erbfolge durch Testament

Der Erblasser kann durch ein Testament oder einen Erbvertrag den Erben oder die Erben nach seinem Belieben auswählen. Dann fällt die Erbschaft nicht an den gesetzlichen, sondern an den vom Erblasser eingesetzten Erben. Das Testament bewirkt insoweit die unmittelbare Abänderung der gesetzlichen Erbfolge, und geht dieser vor.

Der Erblasser kann aber auch neben oder anstelle einer Erbeinsetzung sonstige Bestimmungen zum Umgang mit seinem Vermögen nach dem Tod treffen.

Da es sich bei Testament und Erbvertrag um Regelungen der Angelegenheiten des Erblassers für den Fall des Todes handelt, werden diese auch Verfügungen von Todes wegen genannt.

Durch die Errichtung eines Testamentes oder Erbvertrages werden viele mit der starren gesetzlichen Erbfolge verbundene Ungerechtigkeiten und Gefahren entschärft.

Der Erblasser hat es in der Hand, den Übergang seines Vermögens exakt zu steuern und insbesondere diejenigen zu belohnen, die sich um ihn, nahe Angehörige bzw. um die Anschaffung bzw. den Erhalt seines Vermögens verdient gemacht haben.

Neben dem Testament steht als gleichberechtigte Möglichkeit, seinem letzten Willen Ausdruck zu verleihen, der allerdings notariell beurkundungspflichtige Erbvertrag.

Das Testament kann als Einzeltestament oder Gemeinschaftliches Testament (bei Eheleuten) privatschriftlich oder vor einem Notar errichtet werden.

Verfügungen von Todes wegen werden erst mit dem Tod des Erblassers wirksam, Rechte und Pflichten aus der Verfügung können daher nur für Personen entstehen, die den Erblasser überleben.

Das gemeinschaftliche Testament

Ehegatten gibt das Gesetz die Möglichkeit ihre Vermögensverhältnisse im Todesfall im gegenseitigen Einvernehmen zu regeln.

Bei diesen ist es ausreichend, dass der Text des Testamentes nur von einem Ehegatten handschriftlich geschrieben und unterschrieben wird, während der andere Ehegatte nur mitunterschreibt.

Eine Bindungswirkung an das Testament entsteht z. B. bei gegenseitiger Erbeinsetzung sowie der Erbeinsetzung einer dritten Person bei Versterben auch des zweiten Ehegatten. Der häufigste Fall ist die Erbeinsetzung von gemeinschaftlichen Kindern, Kindern, die nur von einem Ehegatten abstammen sowie naher Verwandter zu sogenannten Schlusserben.

Wird die Bindung an das Testament nicht ausgeschlossen, so kann zu Lebzeiten beider Ehegatten nur durch notariellen Widerruf eine Änderung des Testaments erfolgen. Nach dem Ableben des Erstversterbenden kann man sich nur noch durch Ausschlagung von der eingetretenen erbrechtlichen Bindung befreien.
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