Fragen und Antworten zum einseitigen Testament, gemeinschaftlichen Testament und zum Erbvertrag (mit Beispielen)

Was bedeutet der Begriff „gewillkürte Erbfolge“? In welchem Umfang ist eine „willkürliche“ Erbfolge zulässig?

Von „gewillkürter Erbfolge“ spricht man dann, wenn der Erblasser durch eine Verfügung von Todes wegen, über sein Vermögen nach seinem Tod im Ganzen oder in Teilen Regelungen getroffen hat.

Die „gewillkürte Erbfolge“ geht der gesetzlichen Erbfolge vor, d.h. das gesetzliche Verwandtenerbrecht kommt nur dann zur Anwendung, wenn keine Verfügung von Todes wegen vorhanden ist, in der Verfügung von Todes wegen kein Erbe bestimmt ist, die Verfügung von Todes wegen nichtig oder wirksam angefochten ist oder alle eingesetzten Erben weggefallen sind und auch Ersatzerben nicht vorhanden sind.

Der Erblasser kann grundsätzlich über sein Vermögen frei verfügen, er kann Erben einsetzen oder seine Kinder enterben, er kann bestimmen, was mit seinem Vermögen nach seinem Tode geschehen soll oder auch nicht. Grenzen zieht hier erst der Begriff der Sittenwidrigkeit. Früher hat man dies bereits bei einem Geliebtentestament angenommen („Hergabe für Hingabe“), heute kann man darüber nachdenken, ob eine Erbeinsetzung z.B. an die Wahl eines bestimmten Ehegatten geknüpft werden darf.

Der Erblasser kann eine Verfügung von Todes wegen nur persönlich treffen, unzulässig ist hierbei insbesondere eine Vertretung durch Dritte. Unzulässig ist auch, dass der Erblasser einem Dritten die Entscheidung überlässt, ob die letztwillige Verfügung gelten soll, oder dass ein Dritter bestimmt, wer eine Zuwendung erhalten soll oder welcher Gegenstand zugewandt wird.

Eine Verfügung von Todes wegen wird auch erst mit dem Tod wirksam, d.h. bis zu diesem Zeitpunkt kann der Erblasser andere Verfügungen treffen. Besonderheiten sind hierbei jedoch bei einem Erbvertrag und einem gemeinschaftlichen Testament zu beachten.

In der Praxis erfolgt zumeist durch Verfügung von Todes wegen die Einsetzung eines Erben oder mehrerer Erben zu Miterben. Zulässig ist auch, dass der Erblasser mehrere Personen nacheinander zu Erben einsetzt, sog. Vorerben und Nacherben; er kann auch Ersatzerben bestimmen, für den Fall, dass ein Erbe vor seinem Tod wegfällt.

Ist eine vom Gesetz abweichende Regelung der Erbfolge und der Nachlassverteilung durch Testament oder Erbvertrag wirklich erforderlich?

Kurz zusammengefasst, in der Regel führt die gesetzliche Erbfolge zu nicht passenden Ergebnissen. Einige wirklich einfache und alltägliche Beispiele, die zeigen, dass eine Regelung durch einseitiges Testament, gemeinschaftliches Testament oder Erbvertrag häufig erforderlich ist:

Beispiel 1 – die kinderlosen Eheleute:

Die Eheleute Max und Eva sind kinderlos und in Zugewinngemeinschaft verheiratet, jeder Ehegatte hat ein Vermögen von 100.000 EUR (insg. 200.000 EUR auf Oder-Konto) deren Eltern sind vorverstorben. Max hat einen Bruder, den Paul. Eva hat noch eine Schwester, die Anna.

Erbfolge bei Vorversterben des Max: Eva erbt ¾, der Bruder des Max ¼. Eva wird dann von ihrer Schwester als Alleinerbin beerbt.

Vermögensstatus nach den beiden Erbfällen: Paul 25.000 EUR, Anna 175.000 EUR (abzüglich Erbschaftssteuer!)

Erbfolge bei Vorversterben der Eva: Max erbt ¾, die Schwester Anna ¼. Max wird dann von seinem Bruder Paul als Alleinerbe beerbt.

Vermögensstatus nach den beiden Erbfällen: Anna 25.000 EUR, Max 175.000 EUR (abzüglich Erbschaftssteuer!)

Im Ergebnis eine willkürliche Vermögensverteilung auf den Tod, die von den Eheleuten so sicher nicht gedacht und gewollt war.

Beispiel 2 – Eheleute mit zwei gemeinsamen Kindern:

Die Eheleute Max und Eva sind in Zugewinngemeinschaft verheiratet, jeder Ehegatte hat ein Vermögen von 100.000 EUR (insg. 200.000 EUR auf Oder-Konto). Im Eigentum der Eheleute steht noch ein Einfamilienhaus, Wert 300.000 EUR. Kinder von Max und Eva sind der Paul und die Anna. Paul ist mit Klara verheiratet, die sich mit den Eltern des Paul verstritten hat. Max verstirbt am 10.10.2011 ohne ein Testament zu hinterlassen, Paul verstirbt durch einen Verkehrsunfall am 15.10.2011 und hat seine Ehefrau Klara zur Alleinerbin bestimmt. Was kann dann passieren?

Klara erbt von Paul dessen Erbteil von ¼ nach seinem Vater Max und beansprucht sofort und ohne jeden Anstand die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft. Dies bedeutet, insbesondere für die Witwe Eva, der Nachlass muss geteilt werden, was bei einem Haus durch Teilungsversteigerung erfolgt. D.h. das Haus wird versteigert, Klara erhält hiervon 1/8 (1/4 vom ½ Eigentumsanteil des Max) und ¼ von 100.000 EUR.

Dies war von den Eheleuten Max und Eva so sicher nicht gewollt.

Beispiel 3 – die unverheirateten Lebenspartner:

Max und Eva leben seit mehr als 20 Jahren zusammen, wollten immer wieder einmal heiraten, haben dies aber dann doch vergessen. Kinder sind aus dieser Beziehung nicht hervorgegangen. Max und Eva haben ein Gemeinschaftskonto, dort befinden sich 200.000 EUR. Auch haben sie sich zusammen ein Haus für 300.000 EUR gebaut, welches inzwischen abgezahlt ist.

Max stirbt, auch dessen Eltern sind vorverstorben, es lebt nur noch der Bruder Paul (von Max), den Max vor mehr als 20 Jahren zuletzt gesehen hatte.

Paul beerbt den Max allein, d.h. er erhält die Hälfte des Kontoguthabens, also 100.000 EUR und den Anteil am Haus. Den Anteil am Haus verwertet er im Wege der Teilungsversteigerung. Eva steht im Ergebnis ohne Haus da und musste die Hälfte des gemeinsam erwirtschafteten Vermögens an Paul herausgeben.

Auch dies war von Max und Eva so sicher nicht gedacht.

Beispiel 4 – die glückliche „Patchwork-Familie“:

Max und Eva sind in Zugewinngemeinschaft verheiratet, sie haben eine Tochter, die Anna. Max hat aus einer früheren Ehe noch einen Sohn, den Paul. Jeder Ehegatte hat ein Vermögen von 100.000 EUR (insg. 200.000 EUR auf Oder-Konto). Zu beiden Kindern besteht ein überaus gutes Verhältnis, beide Eheleute versterben binnen weniger Monate.

Erbfolge bei Vorversterben des Max: Eva erbt 1/2, die Kinder des Max jeweils ¼. Eva wird dann von Anna als Alleinerbin beerbt.

Vermögensstatus nach den beiden Erbfällen: Paul 25.000 EUR, Anna 175.000 EUR.

Erbfolge bei Vorversterben der Eva: Max erbt 1/2, die Tochter Anna ebenso 1/2. Max wird dann von seinen Kindern jeweils zu ½ beerbt.

Vermögensstatus nach den beiden Erbfällen: Paul 75.000 EUR, Anna 125.000 EUR.

Im Ergebnis auch hier eine willkürliche Vermögensverteilung auf den Tod, die von den Eheleuten so sicher nicht gedacht und gewollt war.

Welche Arten letztwilliger Verfügungen gibt es? Wie errichte ich ein Testament, ein gemeinschaftliches Testament oder einen Erbvertrag?

Das Gesetz gibt als mögliche Varianten einer letztwilligen Verfügung das Testament, das gemeinschaftliche Testament und den Erbvertrag vor. Andere Möglichkeiten eine letztwillige Verfügung zu errichten, bestehen nicht.

Das einseitige Testament

Ein Testament kann errichtet werden, indem der Erblasser vor einem Notar seinen letzten Willen erklärt oder dem Notar eine Schrift übergibt, die seinen letzten Willen enthält. Diese dem Notar übergebene Schrift muss nicht handschriftlich gefertigt sein, sie muss auch nicht unterschrieben sein. Auch kann die Schrift verschlossen oder offen übergeben werde.

Ein einseitiges Testament kann ferner errichtet werden, indem der Erblasser seinen letzten Willen handschriftlich niederschreibt und die Erklärung unterschreibt. Die Unterschrift soll Vor- und Familiennamen des Erblassers enthalten, ferner sollen Ort und Datum der Erklärung ersichtlich sein. Zwingend ist aber nur die handschriftliche Niederschrift und Unterschrift.

Kein Testament kann errichten, wer unter 16 Jahre alt ist, oder derjenige der aufgrund einer Geistes- oder Bewusstseinsstörung nicht in der Lage ist, die Bedeutung eines Testaments zu erfassen.

Ein Minderjähriger (ab 16 Jahre) bedarf für die Errichtung eines Testaments nicht der Zustimmung seiner Eltern, muss das Testament aber in öffentlicher Form (Notar) errichten.

Das gemeinschaftliche Testament

Das Gesetz gibt Eheleuten darüber hinaus die Möglichkeit ein gemeinschaftliches Testament zu errichten. Dadurch wird ihnen die Möglichkeit eröffnet, ihren Nachlass gemeinsam zu regeln.

Auch ein gemeinschaftliches Testament kann handschriftlich oder in öffentlicher Form errichtet werden. Bei der handschriftlichen Abfassung ist darauf zu achten, dass ein Ehegatte das Testament schreibt und beide Ehegatten dann unterschreiben. Die jeweiligen Erklärungen der Ehegatten sollen nach Möglichkeit in einer Urkunde zusammengefasst werden.

Eine allseits bekannte Variante des gemeinschaftlichen Testaments ist das „Berliner Testament“. Hier setzen sich die Eheleute gegenseitig zu Erben und ihr Kind/ihre Kinder zu Schlusserben ein.

Weitere und übliche Varianten eines gemeinschaftlichen Testaments sind aber auch, dass die Eheleute jeweils ihre Kinder sogleich zu Erben einsetzen und weitere Anordnungen (z.B. Vermächtnis) für den überlebenden Ehegatten treffen.

Der Erbvertrag

Eine weitere Variante der letztwilligen Verfügungen ist der Erbvertrag. Die Besonderheit des Erbvertrages liegt darin, dass hiermit eine Bindungswirkung für Erblasser und Vertragspartner erreicht wird, die über die eines gemeinschaftlichen Testaments hinausgehen, dass auch Dritte (d.h. z.B. „Nicht-Erben“) an einem solchen Vertrag beteiligt werden können und dass ein solcher Vertrag auch Verlobten oder nichtehelichen Lebensgefährten offen steht. Der Nachteil ist, dass ein solcher Erbvertrag nur in öffentlicher Form errichtet werden kann.

Das gemeinschaftliche Testament in Form des einfachen „Berliner Testaments“, der richtige Weg?

Das „Berliner Testament“ bietet sich nur auf den ersten Blick zur Regelung des Nachlasses an.

Was bedeutet „Berliner Testament“?

Der Begriff „Berliner Testament“ umfasst in der Regel die gegenseitige Erbeinsetzung des überlebenden Ehegatten zum alleinigen Erben des erstversterbenden Ehegatten. Ein Dritter, häufig das oder die Kinder werden als Schlusserben eingesetzt.

Das Testament regelt zwei Erbfälle, die Erbfolge nach dem zuerst versterbenden Ehegatten, und die Erbfolge nach dem zuletzt versterbenden Ehegatten.

Eine übliche Formulierung, die im Allgemeinen für ausreichend erachtet wird, es aber im Ergebnis nicht ist:

„Wir, die Eheleute X und Y setzen uns gegenseitig zu alleinigen Erben ein, Schlusserbe soll unser Kind Z sein“.

Was ist der Vorteil des „Berliner Testamens“?

Kurz und knapp, die einfache Formulierung, die Möglichkeit der handschriftlichen Errichtung, die Möglichkeit der gemeinsamen Nachlassregelung für die Ehegatten und die begrenzte Bindungswirkung.

Was sind die Nachteile des „Berliner Testaments“?

Zumeist sagt man, dass durch den im ersten Erbfall allein erbenden Ehegatten die Steuerfreibeträge der Kinder nicht ausgenutzt werden. Der Steuerfreibetrag liegt für Kinder des Erblassers bei aktuell 400.000 EUR, die eines Ehegatten bei 500.000 EUR und das selbst bewohnte Familienheim, ob nun Haus oder Eigentumswohnung ist bis zu einer Größe von 200 qm steuerbefreit. Dies kann also im Allgemeinen, das sind dann die Vermögen unter 500.000 EUR, wohl nicht der entscheidende Nachteil sein.

Soweit man unterstellt, dass die Ehegatten in der Regel mit einem „Berliner Testament“ die Erwartung verbinden, dass erst der überlebende Ehegatte und dann der Schlusserbe, zumeist das gemeinsame Kind, erben sollen, sind wesentliche Nachteile offensichtlich:

a) Die einerseits überraschende Bindung, anderseits aber unzureichende Bindung.

Überraschend ist häufig, dass der Widerruf eines zu Hause handschriftlich verfassten gemeinschaftlichen Testaments durch notarielle Rücktrittserklärung zu erfolgen hat.

Beispiel: Eva und Max sind verheiratet und verfassen noch in „guten“ Zeiten ein handschriftliches „Berliner Testament“. Irgendwann merkt Max, dass er Eva nicht mehr liebt, vernichtet das gemeinschaftliche Testament hinter dem Rücken von Eva und schreibt neu: „Unser gemeinschaftliches Testament vom 24.12.2000 habe ich verbrannt. Mein Erbe soll jetzt mein Sohn sein“.

Max verstirbt, und sein Sohn beantragt als Alleinerbe einen Erbschein. Das Nachlassgericht schreibt die Witwe Eva an, und fragt nach, ob sie Einwendungen hat. Prompt schreibt die Witwe zurück, „Ja, ich habe Einwendungen, wir hatten ein gemeinschaftliches Testament, und Alleinerbin bin ich. Testamentskopie anbei“. Und sie hat Recht, der Ehemann hat das gemeinschaftliche Testament nicht wirksam widerrufen.

Unzureichend ist die Bindung eines gemeinschaftlichen Testaments in den Fällen, in denen der überlebende Ehegatte weit mehr Vermögen hat, als der verstorbene Ehegatte.

Beispiel: Eva und Max sind verheiratet, haben eine Tochter Anna und verfassen noch in „guten“ Zeiten ein handschriftliches „Berliner Testament“. Irgendwann merkt Max, dass er Eva nicht mehr liebt, lernt die Klara kennen und zeugt mit dieser „ganz heimlich“ ein Kind, den Paul. Das Vermögen von Eva beträgt 5.000 EUR, das Vermögen von Max 500.000 EUR. Eva stirbt und Max schlägt fristgemäß die Erbschaft aus, heiratet die Klara, errichtet ein Testament und setzt Paul als Alleinerben ein, und stirbt dann auch ganz schnell und überraschend.

Was bekommt denn nun die von den Eheleuten als Schlusserbin eingesetzte Anna? Zunächst die 5000 EUR von Eva als Alleinerbin. Von den 500.000 EUR des Vaters aber nur noch ein Achtel, nämlich den Pflichtteil in Höhe von 62.500 EUR. Insoweit sind die Erwartungen der bereits früh verstorbenen Eva, aber auch die von Anna, stark beeinträchtigt.

b) Problematisch ist auch ein gemeinschaftliches Testament im Hinblick auf das allgemeine Ausschlagungsrecht des Ehegatten und die trotzdem bestehenden Pflichtteilsansprüche und Ansprüche auf Ausgleich des Zugewinns.

Beispiel: Eva und Max sind in Zugewinngemeinschaft verheiratet, haben eine Tochter Anna und verfassen noch in „guten“ Zeiten ein handschriftliches „Berliner Testament“, setzen die Anna als Schlusserbin ein. Eva hat noch ein nichteheliches Kind, den Paul, der aber nach dem Willen von Max und Eva nichts bekommen soll. Max hat ein Vermögen von 500.000 EUR (Zugewinn), Eva hat kein Vermögen.

Max verstirbt. Nun meldet sich der Paul wieder bei seiner Mutter Eva, da sein „Stiefvater“ nun endlich verstorben ist. Daraufhin schlägt Eva die Erbschaft aus, macht gegen die Alleinerbin Anna Ansprüche auf Zugewinn und Pflichtteil geltend, errichtet ein neues Testament, setzt den Paul zum Alleinerben ein und verstirbt drei Monate später.

Der von Max gedachte Vermögensstatus (einfaches „Berliner Testament“; Vorversterben von Max) wäre gewesen, dass Anna als Schlusserbin 375.000 EUR erhält, und Paul seinen Pflichtteil von 125.000 EUR.

Der tatsächliche Vermögensstatus ist der, dass Paul von Eva 312.500 EUR und die „enterbte Anna“ dann noch 78.125 EUR Pflichtteil fordern kann, so dass im Ergebnis Anna einen Betrag von knapp 265.000 EUR erhält, und Paul knapp 235.000 EUR erbt. Eine Differenz von mehr als 100.000 EUR im Vergleich zu der von dem vorverstorbenen Max gedachten Situation.

c) Häufig kommt es durch ein einfaches „Berliner Testament“ zu willkürlichen Pflichtteilsquoten und Wertbeteiligungen am Nachlass.

Beispiel: Eva und Max sind verheiratet und jeder hat 50.000 EUR auf dem Konto. Eva und Max haben eine gemeinsame Tochter Anna, M hat noch einen unehelichen Sohn, den Paul. Die Ehegatten errichten ein „Berliner Testament“ und bestimmen Anna zur Schlusserbin, Paul soll eigentlich gar nichts bekommen. Weitere Verfügungen von Todes wegen erfolgen nicht. Was bekommt Paul als Pflichtteilsberechtigter?

Vermögensstatus bei Vorversterben des Max: Wenn Max zuerst verstirbt, bekommt Paul ein Achtel von 50.000 EUR (Erbe des Max), also 6.250 EUR.

Vermögensstatus bei Vorversterben der Eva: Verstirbt hingegen Eva zuerst, und Max eine Woche später, dann bekommt Paul ein Viertel von 87.500 EUR, also 21.875 EUR. Max hat ja zuvor die Eva in Höhe von 50.000 EUR beerbt, so dass sein Vermögen jetzt 100.000 EUR beträgt. Zudem erhöht sich der Pflichtteil des Paul auf ein Viertel, da die Ehefrau als gesetzliche Erbin vorher weggefallen ist. Kommt Anna nun auch nicht auf die Idee noch ihren Pflichtteil nach Eva (1.Erbfall; Pflichtteil neben Max 1/4) zu fordern, sind es gar 25.000 EUR, statt 6.250 EUR die Paul erhält.

Was sind die Vorteile und Nachteile eines gemeinschaftlichen Testaments, Erbvertrages oder eines einseitigen handschriftlichen Testaments?

Vorteil des gemeinschaftlichen Testaments ist zunächst die Möglichkeit dieses handschriftlich zu errichten, d.h. ein Notar ist nicht erforderlich. Zugleich werden mit einem gemeinschaftlichen Testament ähnliche Bindungswirkungen wie bei einem Erbvertrag erzeugt, wobei aber wechselbezügliche Verfügungen nicht enthalten sein müssen. Ein weiterer Vorteil ist sicher, dass das Testament zu Lebzeiten frei widerruflich ist.

Zugleich folgt aus der freien Widerrufsmöglichkeit aber auch das Risiko, dass anderweitig verfügt wird. Ein weiterer Nachteil ist, dass diese Form nur Eheleuten zur Verfügung steht, d.h. Verlobte oder Lebensgefährten können kein gemeinschaftliches Testament errichten. Auch bietet ein gemeinschaftliches Testament nur eingeschränkten Schutz vor der Minderung von Vermögen noch zu Lebzeiten.

Hauptsächliche Vorteile des Erbvertrages sind sicher, dass dieser nicht nur von Eheleuten errichtet werden kann und dass eine starke Bindungswirkung der Beteiligten bereits zu Lebzeiten eintritt, d.h. der Vertragspartner ist bereits mit Abschluss des Erbvertrages vor beeinträchtigenden Schenkungen geschützt. Ein Vorteil und zugleich sicher ein Nachteil ist die starke Bindungswirkung für die Beteiligten. Ein weiterer Nachteil ist, dass gesetzliche Rücktrittsrechte von vertragsmäßigen Verfügungen nicht ausgeschlossen werden können.

Hauptvorteil eines handschriftlichen einseitigen Testaments ist, dass dieses jederzeit vom Erblasser errichtet und wieder geändert werden kann. Insoweit kann man die Erbfolge schnell und unkompliziert, ohne weitere Kosten einer Beurkundung, an die aktuellen Gegebenheiten anpassen. Darin liebt aber zugleich auch der Nachteil.

Befindet sich der Erblasser bereits in fortgeschrittenem Alter, so ist er manchmal durch Personen, die sich gerade um ihn kümmern, etwas leichter zu beeinflussen, und dann wird manchmal etwas vorschnell ein neues Testament aufgesetzt. Ein weiterer Nachteil ist sicher auch, dass keine Bindung eintritt, d.h. der Erblasser kann jederzeit neu testieren. Vertrauen der Bedachten kann hier insoweit nicht entstehen.

Kann ich mein Testament noch ändern? Ist dies auch bei einem gemeinschaftlichen Testament oder einem Erbvertrag möglich?

Ein einseitiges handschriftliches Testament kann jederzeit geändert oder widerrufen werden. Der Erblasser kann das Testament widerrufen durch ein neues Testament anderen Inhalt, durch ein Testament, min dem er lediglich den Widerruf erklärt oder durch Vernichtung des Testaments. Befindet sich das Testament in amtlicher Verwahrung muss es von dort zurück genommen werden.

Ein gemeinschaftliches Testament kann ebenso frei widerrufen werden, jedoch ist hierfür erforderlich, dass diese Erklärung notariell beurkundet wird und dem anderen Ehegatten zu gehen.

Bei einem Erbvertrag hingegen ist einer freier Widerruf bereits zu Lebzeiten nicht mehr möglich. Der Erblasser kann hier lediglich zurück treten, sofern er sich den Rücktritt im Erbvertrag vorbehalten hat, oder gesetzliche, durch Erbvertrag auch nicht ausschließbare, Rücktrittsgründe vorliegen.

Eine gemeinsame einvernehmliche Aufhebung oder Änderung des Erbvertrages durch die Vertragsparteien ist aber immer möglich. Sofern nur Ehegatten einen Erbvertrag geschlossen haben, kann dieser auch durch bloßes gemeinschaftliches, auch handschriftliches, Testament aufgehoben werden.

Welche Anordnungen kann der Erblasser in einem (gemeinschaftlichen) Testament oder Erbvertrag treffen?

Erbeinsetzung

Der Erblasser kann einen oder mehrere Bedachte ausdrücklich als Erben einsetzen. Soweit diese Einsetzung reicht, entfällt das gesetzliche Erbrecht.

Enterbung

Der Erblasser kann ausdrücklich eine Person enterben, ohne einen Erben einzusetzen. Der Enterbte gilt dann als im Erbfall nicht mehr vorhanden. Im Übrigen gilt, ohne weitere Erbenbenennung dann die gesetzliche Erbfolge. Vor diesem Hintergrund stellt sich dann unter Umständen die Frage, ob hiermit auch die Abkömmlinge des Enterbten gemeint sind, soweit sich die Enterbung nicht ausdrücklich auf diese erstreckt. Dies wird man in der Regel, ohne weitere Anhaltspunkte, nicht einfach bejahen können, so dass dann die Abkömmlinge des Enterbten auch gesetzliche Erben sein können.

Vor- und Nacherben

Der Erblasser kann anordnen, dass eine bestimmte Person erst dann Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist. Eine solche Anordnung kann sich auch auf einen einzelnen Nachlassgegenstand, z.B. Grundstück, erstrecken. Sowohl Vorerbe als auch Nacherbe leiten ihre Rechtsstellung direkt vom Erblasser ab.

Für den Vorerben ist entscheidend, ob er ein „befreiter“ oder ein „nicht befreiter“ Vorerbe ist, d.h. der befreite Vorerbe kann den Nachlass nicht nur nutzen, sondern auch verbrauchen. Zwar kann auch der „nicht befreite“ Vorerbe weitgehend frei verfügen, bei Grundstücken ist er aber genauso beschränkt, wie bei Schenkungen. Diese sind gegenüber dem Nacherben ggf. unwirksam.

Eine Einsetzung von Vorerben und Nacherben bietet sich regelmäßig dort an, wo ein Ausschluss von Pflichtteilsansprüchen derjenigen erwünscht ist, die allein Pflichtteilsberechtigte des Vorerben sind. Ein weiterer Schwerpunkt ist sicher der „überschuldete“ Erbe (Vor- und Nacherbschaft unter Testamentsvollstreckung zugunsten der Nacherben), der Nachlass bleibt dann vor den Gläubigern des Vorerben geschützt.

Vermächtnis

Der Erblasser kann einen Erben oder einem Dritten auch einen Vermögensvorteil zuwenden. Bei einem Erben wäre dies dann als sog. „Vorausvermächtnis“ ein Vermögensvorteil zuzüglich dem Erbe oder dem Erbteil. Das Vermächtnis kann sich auf einen einzelnen Gegenstand beziehen(z.B der Fernseher) oder eine Vermögensgruppe erfassen (z.B. die Guthaben auf den Konten).

Der Vermächtnisnehmer wird nicht Erbe, er erwirbt nur einen Anspruch auf Verschaffung des Vermächtnisses gegen den Erben. Häufig ist daher empfohlen, dass zur Erfüllung des Vermächtnisses ein Testamentsvollstrecker benannt wird, um einen Vollzug des Vermächtnisses auch bei Unwillen des Erben sicher zu stellen.

Häufig ist eine Abgrenzung zwischen Vermächtnis und Erbeinsetzung erforderlich. So ist die Zuwendung eines einzelnen Gegenstandes oder eines bestimmten Geldbetrages im Zweifel nicht als Erbeinsetzung zu werten, auch wenn der Erblasser den Begriff „Erbe“ verwandt hat. Stellt hingegen der zugewandte Gegenstand den überwiegenden Nachlasswert dar (z.B. ein Grundstück) wird eher von einer Erbeinsetzung auszugehen sein. Maßgebend für die Ermittlung des Erblasserwillens sind die Wertverhältnisse bei Testamentserrichtung.

Mein Testament ist nicht ganz eindeutig formuliert. Was passiert dann nach meinem Tod?

Das Gesetz gibt für die Einsetzung eines Erben verschiedene Auslegungsregeln mit an die Hand, wobei maßgebend nicht der Wortlaut der Erklärung ist, sondern vielmehr der wirkliche Wille des Erblassers.

So bestimmt sich die Frage, ob der Bedachte Erbe oder Vermächtnisnehmer werden soll, nicht vorrangig danach, ob der Erblasser die richtigen Begriffe verwandt hat.

Maßgebend ist vielmehr, ob der Erblasser sein Vermögen oder einen Bruchteil des Vermögens dem Bedachten zugewandt hat, dann Erbeinsetzung, oder ob nur ein einzelner Gegenstand an den Bedachten gehen soll, dann Vermächtnis. Wird aber durch die Zuwendung eines einzelnen Gegenstandes der Nachlass überwiegend erschöpft, so ist dies dann in der Regel als Erbeinsetzung zu werten. (Bsp.: die Zuwendung des Hausgrundstücks).

Sind mehrere Erben auf den Nachlass eingesetzt, ohne dass die Anteile am Nachlass bestimmt sind gilt bei einer Einsetzung der gesetzlichen Erben, dass diese dann nach dem Verhältnis ihrer gesetzlichen Erbteile eingesetzt sind. Andernfalls gelten die Erben zu gleichen Teilen als eingesetzt.

Hat der Erblasser mehrere Erben auf bestimmte Bruchteile eingesetzt, andere Erben hingegen nicht, so erhalten die nicht auf einen Bruchteil eingesetzten Erben den freigebliebenen Teil der Erbschaft.
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